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Mittwoch, 22.05.2013, 19:30 Uhr - Was ist Demokratie (wirklich)? & Postdemokratie - die Macht und Ohnmacht der Bürger im Lobby-Staat


Wir laden zu einem weiteren Abend in unserer Reihe "Demokratie und Beteiligung?". Diesmal mit zwei Referenten und zwei Themen:

  • Was ist Demokratie (wirklich)? (Jens Herrmann)

Schenkt man den täglich über Presse und Fernsehen verbreiteten, sich ständig wiederholenden Behauptungen Glauben so ist Demokratie die tollste Form der gesellschaftlichen Entscheidungsfindung die überhaupt vorstellbar ist. Dies wirft die Frage auf weshalb demokratische Verfahren dann nicht auch in allen anderen Entscheidungsverbänden wie wirtschaftlichen Unternehmen, Familien, Fahrgemeinschaften etc. Anwendung finden. Ist Demokratie als ein Verfahren das in hohem Maße in die autonomen Entscheidungen des Einzelnen eingreift und den Willen von bis knapp unter 50% der Beteiligten als irrelevant erklärt möglicherweise doch nicht der heilige Gral zur Lösung aller Probleme? Welche alternativen Entscheidungsverfahren gibt es?

 

Der Vortrag gibt einen Einblick in den Demokratie-Ansatz des US-amerikanischen Politikwissenschaftlers Robert Dahl. Weitere Schwerpunkte liegen auf der Klärung der inhaltlichen Bedeutung des stark missbrauchten Demokratie-Begriffes, Möglichkeiten der legalen/illegalen Wahlmanipulationen in historischen als auch heutigen politischen Systemen (am Beispiel DDR, OB-Wahlen Dresden 2008, US-Präsidentschaftswahlen) sowie der Frage unter welchen Vorraussetzungen eine Legitimation mit demokratischen Verfahren überhaupt möglich ist. 

  • Postdemokratie - die Macht und Ohnmacht der Bürger im Lobby-Staat und mögliche Auswege (Matthias Wild)

Der britische Politikwissenschaftler Colin Crouch definiert eine idealtypische Postdemokratie folgendermaßen: „ein Gemeinwesen, in dem zwar nach wie vor Wahlen abgehalten werden [...], in dem allerdings konkurrierende Teams professioneller PR-Experten die öffentliche Debatte während der Wahlkämpfe so stark kontrollieren, daß sie zu einem reinen Spektakel verkommt, bei dem man nur über eine Reihe von Problemen diskutiert, die die Experten zuvor ausgewählt haben“.

Eine seiner Thesen ist, dass sich die heutigen Demokratien dem Zustand der Postdemokratie immer mehr annähern und so in den heutigen Demokratien der „Einfluß privilegierter Eliten“ zunimmt. Zu den privilegierten Eliten zählt Crouch vor allem „bestimmte Unternehmer“, die durch Lobbyismus wesentlich größeren Einfluss auf die Regierungen haben als andere Interessengruppen oder Nichtregierungsorganisationen.

Unter anderem deswegen würden die Regierungen seit den 1980er Jahren eine neoliberale Politik verfolgen, die die Privatisierung fördert und den Bürgern mehr Selbstverantwortung aufbürdet. Crouch stellt die These auf: „je mehr sich der Staat aus der Fürsorge für das Leben der normalen Menschen zurückzieht und zuläßt, daß diese in politische Apathie versinken, desto leichter können Wirtschaftsverbände ihn - mehr oder minder unbemerkt - zu einem Selbstbedienungsladen machen.“ Ritzi und Schaal bezeichnen Postdemokratie „in diesem Verständnis [als] eine Scheindemokratie im institutionellen Gehäuse einer vollwertigen Demokratie.“ 

Der Themenabend findet am Mittwoch, den 22.05.2013, 19:30 Uhr (Einlass ab 19:00 Uhr), im Alten Wettbüro, Antonstraße 8, 01097 Dresden, statt.

Es gibt genügend Raum für Fragen und Diskussion. Für das leibliche Wohl wird gesorgt sein. Getränke und eine Kleinigkeit zum Essen können im Alten Wettbüro erworben werden.

Der Abend ist für alle Interessierte offen und - wie immer - kostenfrei.

euer Evoluzzer-Team! 

 

 

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