>>>>>>Archiv / Veranstaltungen 2011 / Mittwoch, 27.04.2011 - Willst du beherrscht werden? Was ist eigentlich Anarchie?

Mittwoch, 27.04.2011 - Willst du beherrscht werden? Was ist eigentlich Anarchie?


Der perfekte Anarchist?Am Anfang war der Zorn. Der unsagbare, unzügelbare und unvorhersehbare Zorn, der den Sklaven bisweilen überkommt und ihn dazu bringt, seinem Herrn entweder den Schädel einzuschlagen oder sich davonzustehlen. Zorn darüber, daß ein Mensch dem anderen befehlen darf. Wut über Knechtschaft und Unterdrückung. Haß auf die Arroganz der Macht, die Menschen über Menschen ausüben.

Zorn, Rebellion, Flucht – eine uralte Triebkraft menschlicher Geschichte, ein Teufelskreis, dessen Grenzen schon ein rebellierender Sklave vor fünftausend Jahren kennengelernt haben mag. In dieser Sackgasse ohne Ziel hat sich ein Spartakus genauso bewegt wie Michael Kohlhaas oder Che Guevara, denn alle mußten sich früher oder später die Frage nach eben diesem Ziel ihrer Rebellion stellen.

Die Freiheit, natürlich! Aber was genau ist das? Wo gab es sie? Konnte man irgendwohin gehen und sie finden? Bedeutete die Flucht vor der Herrschaft, die simple Abwesenheit des Unterdrückers automatisch die Anwesenheit der Freiheit? Und zeigt nicht alle Erfahrung, daß ›Freiheit‹ eine trügerische Hoffnung ist? Wird nicht doch immer nur eine Form der Herrschaft durch eine andere ersetzt?

Vor allem aber: Ist der Mensch zur Freiheit überhaupt fähig?

Immanuel Kant definiert Anarchie kurz und bündig als »Gesetz und Freiheit ohne Gewalt«. Für ihn ist der Begriff »Gesetz« eben nicht das Bürgerliche Gesetzbuch, sondern die Gesamtheit sozialer Regeln. Ähnliches mußte Elisée Reclus im Sinn gehabt haben, als er postulierte: »Anarchie ist die höchste Form der Ordnung«

Wenn Regeln unter Menschen freiwillig und ohne Gewaltanwendung eingehalten werden, so sei dies eine höhere Stufe gesellschaftlicher Entwicklung als die autoritäre, in der soziales Verhalten durch den Zwang des Staates, die Drohungen der Justiz und die Gewalt der Polizei ständig erzwungen werden müßte.

Neue Ideen für die Zukunft scheinen heute dringlicher denn je. Die weltweiten Problemketten auf unserem Planeten verurteilen uns dazu, neue Lösungen zu finden. Lösungen, die in der Lage wären, die überholten Vorstellungen von Zentralismus, Hierarchie, Konzentration und Wachstumswahn abzulösen.

Bei dieser Suche kann uns der reiche Fundus anarchistischer Erfahrung interessante Anregungen geben – gute wie schlechte. Nur zu einem taugt er nicht: zum blinden Nacheifern. Ideologie, Dogmatik und Fanatismus widersprechen sozusagen dem Wesensgehalt der Anarchie. Denn der besteht, salopp ausgedrückt, aus ›Freiheit pur‹.

René Wolf wird am

Mittwoch, dem 27.04.2011, 19:30 Uhr, im Vereinshaus Johannstadt, Dürerstraße 89, Dresden,

in die Thematik einführen. Es ist anschließend genügend Raum für Fragen und Diskussion.

Der Abend ist für alle Interessierte offen und - wie immer - kostenfrei.

(Bild: Der perfekte Anarchist?)

 

Newsfeeds

Inhalt abgleichen